Verfolgt unsere kurze Reise

 Mit einem über 40 Jahre alten Stahlsegler geht es durch hollands Kanäle in das Ijsselmeer und über die Westfriesischen Inseln zurück in den für unser Boot heimatlichen Dollart.

31.07. Tag 1 Ankunft auf Eisbär

Eisbär nach 7 Wochen
Nach einer zügigen Anfahrt über die A31 sind wir gegen halb 11 endlich am Eisbär. Ob er die fast 7 Wochen allein sein gut überstanden hat haben wir uns natürlich schon gefragt. 
Angekommen finden wir ihn schwimmend und in bestem Zustand, (zumindest nicht schlechter als wir ihn verlassen hatten ;-) ) vor. Die Jungs vor Ort haben gut auf ihn aufgepasst. An dieser Stelle nochmal besten Dank!!
Schnell alles aufladen, denn viel Zeit bleibt uns nicht bis wir mit dem Hochwasser auslaufen müssen um nicht in Schräglage im Schlick schlafen zu müssen.

"Warten" am Anker 
Unser Ziel für heute ist Termunterzijl um Morgen in den Kanal nach Groningen einzuschleusen. Zwar könnte Delfzijl Gezeiten unabhängig angefahren werden aber wir wollen lieber in das kleine Dorf nebenan. So "müssen" wir den sonnigen Nachmittag am Anker vor Termunterzijl auf genügend Wasser zum Einlaufen in den Hafen abwarten:
Kaffee, Baden, unterwasserschiff putzen, Lesen, auf die Idee kommen einen Blog zu schreiben, Kochen und Abendessen.

01.08. Tag 2 Ab Delfzijl in den Kanal nach Groningen

Am Morgen geht es noch ein kleines Stück unter Segel Richtung Delfzijl um dort in den Kanal nach Groningen einzuschleusen.

Das erste Teilstück der stehenden Mastroute geht gemütlich und nicht sonderlich spannend durch den Kanal zwischen Kuhwiesen. Brücken öffnen automatisch und am späten Nachmittag sind wir in Groningen

Im Osthafen von Groningen. Bis spät in die Nacht Stadtathmosphäre. Beim Einlaufen mit dem Mast in einer Eiche verfangen. Auf Bäume mussten wir bei Bootsfahrten noch nie achten.
Wir freuen uns drauf morgen wieder in die Natur zu dürfen. Um halb 10 wird der Convoi durch die Brücken starten.

02.08. Tag 3 Durch viele Brücken wieder raus in die Natur

Pünktlich um halb 10 versammeln sich die Boote vor der ersten Brücke. Mit etwa 10 anderen Booten geht es durch etwa die selbe Anzahl an Brücken quer durch die 200.000 Einwohner Stadt. Allein für diese spannende Tour hat sich Groningen für uns doch gelohnt.

Am Morgen gibt es noch einen halben Waschgang von oben. Unten in der Kajüte zu kochen wird hierbei zur dankbareren Aufgabe. 

Der Tag geht dann aber bei viel Sonnenschein und Wind von vorn durch das Flache Land weiter. Am Nachmittag dreht eines der anderen Boote plötzlich nach Steuerbord ab und gestekuliert zu uns auch dort hin abzudrehen. Ein rasches Abbremsen und der Blick auf den Tiefenmesser verrät warum. WIR STECKEN FEST.
Zum Glück ist der Boden weich und der Eisbär hat genügend Kraftreserven uns rückwärts raus zu ziehen.
Abends machen wir im Stadthafen von Zouderkamp fest

03.08. Tag 4 Holland scheint mehr Kanäle als Straßen zu haben

Am Morgen geht es von Zouderkamp raus auf das Leeuwarden Meer. Hier werden wir erstmal von einem leichten Gewitter mit teils heftigem Regen begrüßt. Durch den starken Regen lassen sich die Fahrwassertonnen nur schwer finden. Der Blick auf den Tiefenmesser ist jedesmal mit leichter Anspannung verbunden.

Ab Mittag klart das Wetter immer weiter auf. Die Fahrt geht weiter durch Dörfer und die Stadt Leeuwarden. Wieder viele Brücken und viele teils sehr alte schöne und sehr große Schiffe. Gegen die Traditionssegler schaut der Eisbär aus wie ein kleines Beiböötchen.

Im Laufe dieses Teilstücks hat man das Gefühl, dass es in den Niederlanden Orte gibt, an denen ein Boot sinnvoller als ein Auto wäre.

21 Uhr und nach gut 35 Seemeilen machen wir am Kanalrand fest und übernachten an einer Wiese irgendwo im Nirgendwo. Bemerkenswert: bestes 4G Netz.

04.08. Tag 5 Wir erreichen Lemmer

Der Wind ist heute günstig und Brücken gibt es nicht allzuviele. Daher können wir einen großen Teil der Strecke unter Segeln zurücklegen.

Kochen und Fahrt unter Segeln bei bestem Wetter.

Am späten Nachmittag kommen wir auf dem Ijsselmeer an. Wir machen in der Marina in Lemmer fest.

Die nächsten Tage sollen heiß werden. Wir bauen daher am Abend aus Bambusstäben und einem Duschvorhang einen Sonnenschutz. Die Konstruktion lässt sich zum Verstauen zusammenrollen und unterm Kajütdach anbinden. Hoffentlich hält es eine Weile.

05.08. Tag 6

Bestimmt vier Jahre ist es her, dass ich meinen ehemaligen Mitbewohner aus Dortmund das letzte mal gesehen habe. Umsomehr freuen wir uns auf unseren Besuch und setzen Segel Richtung Stavoren. Wir umfahren die Flachstelle Vrouwesand und passieren Stavoren dicht unter Land.

Für die Nacht sind leichte Winde aus Süd-Süd-Ost angesagt. Ideale Bedingungen um nördlich von Stavoren in der Landabdeckung die Nacht am Anker zu verbringen. Am späten Nachmittag schaukelt es noch ganz schön aber nach einem schwimmenden Ausflug zum Strand wird das Wasser immer ruhiger, sodass wir unseren Nightcup auf spiegelglattem Wasser genießen dürfen.

06.08. Tag 7

Noch vor dem Frühstück geht es eine Runde baden und um halb 10 Anker auf mit Kurs Medemblik. Leider ist der Wind nur schwach und aus einer ungünstigen Richtung. Der Motor schiebt daher heute und der Autopilot hält den Kurs. Das neue Sonnensegel kann bei Motorfahrten stehen bleiben und sorgt für angenehme Temperaturen im Cockpit.

Wer trotzdem Sonne will muss auf das Vordeck. Allzulang hält  man es hier aber nicht aus.

In Medemblik ist tierisch was los. Nur wenige Gehminuten vom Hafen entfernt gibt es einen kleinen, kostenlosen Tierpark mit Schweinen, Hühnern, Ziegen, Alpakas und verschiedenen Vögeln.

07.08. Tag 8 Ein Fotograf an Bord

Dinge von denen wir nicht auf die Idee kämen überhaupt zu Fotografieren schaffen wenige sehr imposant darzustellen.

Am Morgen geht es noch mit sehr schönem Wind Richtung Lemmer. Leider schläft dieser nach zwei Stunden ein.

Es ist brütent heiß und das beste was wir daraus machen ist ein paar Runden Fenderriding.

Am Abend müssen wir uns leider von unserem Besuch verabschieden. In Lemmer setzen wir die beiden ab. Es ist immernoch heiß in der Stadt, so dass wir beschließen draußen vor Anker zu gehen.

08.08. Tag 9 Nach dem Besuch ist vor dem  Besuch

Bevor wir Lemmer wieder verlassen kommen meine Eltern zu Besuch und werden uns die kommenden drei Tage begleiten. Da wir in den letzten Tagen Stavoren nur vom Wasser gesehen haben, fahren wir heute in den Stadthafen.

Auf dem Ijsselmeer geht heute kein Lüftchen. Bevor es in die noch viel zu heiße Stadt geht ankern wir noch einmal für einen ausgiebigen Badegang.

Wie auf unserer Reise über die Kanäle müssen wir noch einmal über die Schleuse in die Stadt.

In Stavoren liegen wir vor Wohnhäusern im Kanal. Abends kühlt es ab und wir schlendern zum Abendessen um die Häuser in ein schönes Restaurant.

09.08. Tag 10 Urk, immer einen Besuch wert

Der Wetterbericht verspricht einen Nordostwind mit Stärke 5 für die kommende zwei Tage. Perfekte Bedingungen um Kurs 110° Richtung dem kleinen Städchen Urk anzulegen.

Urk ist ein kleines altes Städtchen mit großem Hafen. Direkt vom Boot, wenige Schritte über den Deich findet man einen lebhaften und sehr schönen Sandstrand.

Wir bevorzugen die Ruhe und nutzen die Gelegenheit unser Dinghi ("Little Eisbär"?) aufzupumpen. Ein paar Paddelschläge und wir sind draußen vorm Hafen bereit zum baden.

10.08 Tag 11 Bis in die dunkelsten Ecken

Nach dem wir vor zwei Tagen von einer Horde Fliegen attackiert wurden, freuen wir uns über guten Wasserzugang und reinigen den Eisbär bis in die dunkelsten Ecken. Ich wette es hat ihm gefallen,  das Fell so schön durchgebürstet zu bekommen.

Gegen Mittag brechen wir ein letztes Mal nach Lemmer auf um meine Eltern wieder am Hafen abzusetzen. Morgen wird unsere Reise weiter Richtung Norden gehen um in den nächsten Tagen das Ijsselmeer zu verlassen  und in das Watenmeer sowie die Nordsee einzuschleusen.

11.08. Tag 12 What A Ride!!!

15 Knoten Wind blasen in das volle Segelkleid vom Eisbär. Die auf eBay für kleines Geld geschossene Genua hat zwar schon ein paar Federn gelassen aber wird diese Saison  noch gut ziehen.
Der Autopilot hält auch hoch am Wind bei über 30 Grad Schräglage den Kurs.

Unser häutiges Ziel: Hindeloopen. 
Wir sparen uns die Hitze an Land und ankern vor der Stadt. 

Die Temperatur liegt heute noch immer über 30 Grad. In Badeklamotten draußen Abendessen. Das reinste Karibikfeeling mitten in Holland.

Nach dem Abendessen  blasen wir Little Eisbär (oder Eisbär junior, über den Namen fürs Beiboot sind wir uns noch nicht einig 😋) auf. Zwar schlafen wir heute draußen am Anker aber das Dörfchen wollen wir uns dennoch ansehen.

Hindeloopen ist ein kleines Dorf mit großem Hafen und wunderschönen kleinen Gassen und Brücken über kleine Grachten.

Eisbär hat die Zeit unseres Ausflugs gut alleine draußen überstanden. Miri hatte am Nachmittag den Anker, mit gut 2000 Motorumdrehungen und gegen 5 Windstärken, in den Grund eingefahren. Am Abend ist der Wind abgeflaut und so brauchen wir uns keine Sorgen um den Halt des Ankers machen.

Der Tag Endet bei Wein mit lesen, Blog schreiben und Ben Howard aus dem Lautsprecher im Hintergrund.

12.08. Tag 13 Ruhiges Wetter, Zeit für Arbeiten am Boot

Der Wind ist am Morgen mild und noch immer aus Ost. Wir ziehen noch am Anker das Großsegel hoch und verzichten zum Ablegen auf die Maschine.
Beim Eisbär geschieht das Segel setzen, Reffen und Bergen am Mast. 

Stahlboote sind günstig, sicher und verzeihen viele Fehler. Leider rosten sie. Der Wind ist schwach, das Ijsselmeer ist ruhig, Eisbär läuft unter Autopilot. Ich nutze die Zeit um zwei Rostnester an Deck aufzuschlagen, mit der Drahtbürste auszubürsten, zu reinigen und mit Owatrol zu versiegeln. Im Winter sollen das Süll und die Wassergänge  neu lackiert werden.

In Makkum haben wir nur kurz festgemacht um Eis für die Kühlbox und ein paar Lebensmittel einzukaufen. 
Den Abend verbringen wir wieder am Anker. Es wird gewürfelt und die einlaufenden Traditionssegler bestaunt. 

Nach Einbruch der Dunkelheit hüpfen wir noch einmal in Eisbär Junior und paddeln durch die Ankerbucht. 
Unser Ankerlicht haben wir erst vor kurzem in 13 m Höhe am Mast eingesetzt.

13.08. Tag 14 Eisbär auf wackeligen Beinen

Wieder ziehen wir am Anker die Segel hoch und verlassen Makkum ohne Maschinengeräusche. Am Abend werden wir diese noch vermissen.

Unter Butterfly ziehen wir rüber auf die Westseite des Ijsselmeers. Es ist wenig los, aber dennoch muss man darauf achten nicht vom Frachter übergemangelt zu werden.

Etwa eine Stunde vor Den Oever starten wir die Maschine.
In der Hafeneinfahrt plötzlich Stille. Zwei Versuche die Maschine wieder zu starten scheitern. Zum Glück ist das Wetter ruhig und wir haben viel Platz. Fender und Leinen sind glücklicher Weise auch bereits vorbereitet. Wir nutzen den letzten Schwung um an der nächst besten Möglichkeit anzulegen. Zwar nicht der schönste Anleger geworden aber alles ist gut gegangen. 
Da der Motor bei niedrigster Drehzahl ausging vermute ich Probleme in der Kraftstoffzufuhr. Die folgenden zwei Stunden verbringe ich kopfüber bei 30 Grad Lufttemperatur im Motorraum.
Zum Glück hat der Hafen einen guten Zubehörshop und einen freundlichen alten Mann, der sich sehr gut mit Dieselmotoren auskennt. Zwei Kraftstofffilter für etwa zusammen 20 € und eine Menge Schweiß kostet uns die Aktion und der Eisbär schnurrt wieder wie ein junges Bärchen.

Nach der Aktion ist erstmal eine Dusche fällig und die Uhr steht schon auf 20 00. Im Hafen gibt es ein von der Einrichtung her sehr gewöhnungsbedürftiges Restaurant. Das Essen jedoch ist absolut spitze. Leider auch der Preis, aber das hatten wir ja durch die gesparten Hafengebühren der vergangenen Tage vorfinanziert ☺.

14.08. Tag 15 Wir verlassen das Ijsselmeer

Wir wollen heute durch die Seeschleuse in Den Oever in die Nordsee einschleusen und rüber nach Texel. Nordsee heißt aber auch wieder Gezeiten und gegen diese fährt man nicht an. 
Hochwasser in Den Oever ist um 4 in der Früh (Auf gar keinen Fall!!!)  und um 16:07. Wir nutzen den Vormittag um ausgiebig Pfannkuchen zu frühstücken und in das Städtchen zu spazieren.

Um 15 Uhr laufen wir aus dem Hafen aus. Sicher wird das Schleusen noch eine Weile in Anspruch nehmen, so dass wir uns mit dem ablaufenden Hochwasser ab 16:07, Richtung Texel auf das Meer rausspülen lassen.
Windstärke drei aus Nordost. Die meiste Zeit fahren wir unter Segel, geben uns aber nicht zu geduldig, da für den Abend Gewitter angesagt sind. Das diese hier sehr heftig ausfallen können, haben wir letzte Nacht erst mitbekommen. So kommt es, dass zwischendurch die Maschine die Fahrt etwas beschleunigt.
Um 18:30 laufen wir in den Hafen Oudeschild auf Texel ein.

15.08. Tag 16 Urlaub auf Texel

Auf den Inseln sind die Häfen an der Südseite, um geschützt vor den wilden Nordstürmen zu sein. Die schönen endlosen Strände sind jedoch an der Nordseite. Wir leihen uns Fahrräder um 10 km bis De Koog zu radeln. Wie fast überall in Holland sind die Radwege sehr gut ausgebaut. Sogar Mittelstreifen findet man auf diesen. Miri ist jedoch der Meinung, dass wir bereits bis Groß Britanien gesegelt sind 😋.

Wir stellen die Fahrräder irgend wann ab und spazieren durch wunderschöne, blühende Heidelandschaft, die in Grasdünen übergeht, hinter denen sich dann die weite der Nordsee auftut.

Heute ist es nicht mehr ganz so heiß, bei 23 Grad und einem Sonne- Wolkenmix genießen wir einen faulen Strandtag, bis es Abends wieder auf die Räder geht.

16.08. Tag 17 Ein weiterer fauler Urlaubstag

Eigentlich sollte es heute zum Festland nach Harlingen und dann morgen auf die Insel Vlieland gehen. Der Wind kommt heute aber genau aus Ost. Denkbar ungünstig. Wir beschließen noch einen faulen Tag auf Texel zu verbringen, wollen Vlieland aber dennoch morgen erreichen.

Ein Spaziergang über den Deich endet nach nur wenigen Metern im Gras.

Am Abend zieht ein heftiges Gewitter über Texel und wir machen es uns unten im Schiff gemütlich. Zu Bett geht es heute schon früh denn der Wecker wird schon bald wieder klingeln. Auf der Nordsee hat darüber schnell mal die Gezeit das letzte Wort.

17.08. Tag 18

Vier Uhr morgens klingelt der Wecker. Heute soll es nach Vlieland gehen. Da wir den Weg durch das Wattenmeer nehmen müssen wir die Gezeit genau einplanen. Wir fahren etwa 3 Stunden vor dem Hochwasser los. Die Strömung der Flut wird uns dann ins Watt schieben. Eine Stunde vor Hochwasser werden wir die flachste und damit kritischeste Stelle passieren. Sind wir hier durch, wird der Wasserstand wieder fallen und die Strömung ihre Richtung wechseln. Der ablaufende Ebbstrom wird uns mit raus nach Vlieland nehmen.
Am Morgen bei der Abfahrt dunkeln wir die Kajüte ab, nur die Seekarte bleibt schwach beleuchtet. So bleiben die Augen an die Dunkelheit gewöhnt und wir erkennen Fahrwassertonnen besser auf dem Wasser.

Bei sternenklarem Himmel und Dunkelheit verlassen wir den Hafen von Texel. Hoffentlich stimmen unsere Annahmen und Berechnungen zur Gezeit. An der flachsten Stelle steht bei Niedrigwasser nichteinmal 20 cm Wasser. Der Eisbär braucht mindestens 1,4 m.

Die See ist ruhig und der Gezeitenstrom hat uns vor Texel ordentlich angeschoben. Wir dümpeln bei schwachem Wind unter Segeln dahin, um nicht zu früh an der Flachstelle anzukommen. Ein Kaffe und zweites Frühstück bietet sich hier an.

Wir haben die spannendste Stelle hinter uns gebracht und die Ebbströmung raus richtung Nordsee ist ordentlich. Mit knapp 8 Knoten über Grund rauschen wir Vlieland entgegen. Verdammt schnell, gewohnt sind wir 5, freuen uns wenn es 6 sind. Ein Eisbär ist halt keine Rennziege.

Um 11:10 liegt der Eisbär am Steg im Waddenhafen Vlieland. 10 Minuten später als geplant bei einer 6 Stunden Tour.
Nach einem Mittagsschläfchen geht es noch auf einen Spaziergang in ein kleines Dorf.

Gegen Abend ziehen schwarze Wolken auf. Zeit die Wäsche aufzuhängen. Die starken Gewitterschauer in der Nacht, zusammen mit dem starken Wind sind die beste Waschmaschine. Am Vormittag wird die Sonne wieder scheinen und gegen Mittag wird die Wäsche frisch und getrocknet sein. Perfekt!

18.08. Tag 19 Vlieland, eine Insel voller Natur

Auch auf Vlieland wollen wir einen Tag verbringen. Da der schönste Teil der Insel direkt hinterm Hafen beginnt, machen wir uns zufuß auf den Weg.

Nach einer ausgiebigen Wanderung am Strand geht es über die Dünen ins Hinterland. Heide, Gräser und Hagebutten. Später dann auch noch ein schöner Wald.

Den Nightcup gibt es heute mit Gitarre am Strand.

19.08. Tag 20 Die Abwechslungsreiche Natur auf Terschelling

Wieder klingelt der Wecker früh. 06 30. 
Zwar sind es von Vlieland bis Terschelling nur 6 Seemeilen, jedoch  müssen wir durch ein flaches Fahrwasser, welches wir lieber mit auflaufendem Wasser passieren wollen.

Der Wind bläst recht kräftig und genau von hinten. Wir sparen uns das Großsegel . Mit Genua und Strom geht es mit 7 Knoten dahin.

Terschelling hat eine wunderschöne Natur. Die Dünen am Horizont sehen fast aus wie Berge.

Auch in den Dünen fühlt es sich fast wie in den Bergen an. Der Sand ist auf Terschelling irgendwie besonders weiß.

Wir wollen die westliche Landspitze umwandern. Da Ebbe ist wird diese immer Größer und unsere Strecke immer weiter.

Im Watt finden wir ein großes Stück aus Holz. Wir legen es frei und sehen große, rostige Eisenbeschläge im Holz. Wahrscheinlich stammt es von einem alten Wrack eines Rahseglers, der einst die Küsten umsegelte.

Die abwechslungsreiche Bodenkonsistenz ist die reinste Fußpflege, auch wenn sie manchmal Überwindung kostet.

Leider mit dem Eisbären nicht möglich. 
Ein Plattbodenschiff hat hier bei Hochwasser geankert und sich durch das Ablaufen des Wsssers trockenfallen lassen.

Fast 6 Stunden sind wir durch Heidelandschaft, Dünen Strand und dem Watt gewandert. Da wird auch der wildeste Tiger mal müde.

20.08. Tag 21 Ein Tiefdruck im Anmarsch

Der Wetterbericht verspricht für die kommenden Tage Wind von bis zu 8 Windstärken. Da müssen wir nicht mehr auf dem Meer sein. Da unser nächstes Ziel Schiermonnikoog ist, und diese Insel auch binnen über den Kanalweg zu erreichen ist, beschließen wir bei Niedrigwasser Terschelling zu verlassen. Die auflaufende Flut soll uns an das Festland nach Harlingen spülen.

Da wir bei Niedrigwasser ausgelaufen sind, können wir auf den nun freiliegenden Sandbänken ausschau nach Seehunden halten.

Die Fahrten durch das Wattenmeer sind eine Kurverei um Sandbänke und Flachstellen. Die Gezeit und die Karte sollte man immer im Auge haben.

21.08. Tag 22 Zurück in den Kanälen

Das Tiefdruckgebiet steht nördlich von Irland, gut zu sehen sind die bis über Holland eng liegenden Ringe um das Tief, die Isobaren. Je enger diese zueinander liegen, desto stärker der regionale Druckabfall, also mehr Wind. Die Warmfront (rot) ist in der Nacht über uns gezogen. Die Kaltfront (blau) wird etwa kommende Nacht durchziehen. Für uns heißt das, dass wir den Tag zwischen der Warm- und der Kaltfront verbringen, also im sogenannten Warmsektor.
(Bildquelle:  www.wetterzentrale.de)

In der Praxis heißt das blauer Himmel, lockere Stratusbewölkung und milde Temperaturen. Auf Grund der Lage der engen Isobaren im vorangegangenen Bild ein starker Süd-West Wind. Für uns perfekt. Motor tuckert auf Stand-bye und das Vorsegel zieht uns durch die Kanäle. 

22.08. Tag 23 

Auf dem Weg Richtung Ijsselmeer sind wir nur durchgefahren. Dokkum, eine Stadt mit zwei wunderschönen und noch in Betrieb stehenden Windmühlen. Da wir eh noch einige Einkäufe zu erledigen haben machen wir fest und spazieren durch die Stadt.

Wildgänse sind quasi unsere ständigen Begleiter auf der Reise. Das Wetter wechselt heute zwischen Sonne und Wolkenbruch. Der Wind ist kräftig aber mit uns. So kommt auch heute das Segel trotz Kanalfahrt häufig zum Einsatz.

Am Abend machen wir kurz vor der Schleuse ins Leeuwarder Meer fest. Joggen und ein wenig auf dem Deich trainieren. Nach dem Abendessen: Blog schreiben bei Rotwein. Draußen stürmt es noch immer kräftig.

23.08. Tag 24 Auf einer einsamen Insel

Schleust man aus Dokkum kommend in das Leeuwarder Meer ein, kommt schon ziemlich bald eine kleine Insel mit einem Steg. Weit sind wir nicht gekommen aber uns ist irgend wie nach einem faulen Trödeltag.

Die Insel ist in wenigen Minuten erkundet. Groß ist sie wirklich nicht. Die Wiesen sind fast so hoch wie wir groß sind.

Den Tag verbringen wir mit kleinen Reperaturen...

... lesen ...

... und kochen mit frischem Rosmarien.
Irgendwann wundern wir uns, dass es schon halb 8 ist.

24.08. Tag 25 Ein weiteres fettes Tief im Anmarsch

Der Wetterbericht ist für heute nicht allzugut. Für die kommenden Tage aber echt wild mit bis zu 50 kn Wind. Wir beschließen so lange es noch nicht zu wild ist rauf in den Hafen der Nordseeinsel Schiermonninkoog zu segeln und dort den Sturm auszusitzen. Das Wetter wird durch große Cumulus Wolken bestimmt. Für eine Weile kommt die Sonne durch, dann zieht mal wieder eine besonders große, dunkle auf. Wenn diese dann noch einen Regenschleier unter sich trägt heißt es noch einmal auf den Kompass zu schauen und diesen Kurs weiter zu fahren. Land, Fahrwasser und andere Schiffe verschwinden dann im Grau. Der Wind frischt auf und der Starkregen zieht horizontal über das Deck.
Einer steht an der Pinne im Cockpit, und einer sitzt am Kartentisch und kontrolliert den Kurs auf der digitalen Karte.

"Stay close to the buoyage" steht im Seehandbuch über die Hafeneinfahrt von Schiermonninksoog. Das diese aber so eng ist, wie uns das Niedrigwasser am Abend erst verrät hätten wir nicht gedacht. Am Nachmittag beim Einfahren stand das Watt neben der Fahrrinne mit etwa 50 cm Wasser bedeckt. Zudem setzte ein Querstrom Richtung Ost und Auslaufende Schiffe mussten in dieser Rinne passiert werden. Zwei Mal saß der Eisbär im Matsch fest.

Wir bringen ausreichend Leinen aus und bauen die Kuchenbude übers Cockpit aus. Der Sturm kann kommen.

25.08. Tag 26 Der Sturm beginnt

Für den Vormittag sind noch moderate Winde und nur wenig Regen angesagt. Wir nutzen die Zeit um in den Salzwiesen wandern zu gehen. Salzwiesen sind Wiesen, die bei Hochwasser mit Meerwasser geflutet sind und bei Niedrigwasser frei liegen.
Zum Glück haben wir Gummistiefel dabei.

Als wir zurück zum Boot kommen geht es langsam los. Der Wind frischt auf und starke Regenschauer ergießen sich über die Insel.

Wir machen es uns in der Kuchenbude gemütlich, während es draußen immer ungemütlicher wird. Wir haben das Glück im Lee des Steges zu liegen. Der Eisbär wird also nicht gegen den Steg gedrückt sondern hängt mit 50 cm Abstand zum Steg an ausreichend Leinen frei schwimmend. Wir leihen unserem Stegnachbarn ein ausgemustertes 50 m Kletterseil und zwei unserer Fender, damit er sein Boot ausreichend auf der Luv-Seite des Steges schützen kann.
Er wird sich am Tage drauf bedanken, denn die Nacht wird echt ungemütlich....

26.08. Tag 27 Eine unruhige Nacht

9 Windstärken haben gewaltig Krach gemacht und das Boot schaukeln lassen. Viel Schlaf gab es da leider nicht, dafür einen guten Kaffee am Morgen.

Weit vom Boot laufen wir heute nicht. Selbst laufen geschieht hier in Schräglage um vom Wind nicht umgepustet zu werden.
Im Watt bei Niedrigwasser sehen wir ein paar "Große Löffler" auf Nahrungssuche.

Bei Hochwasser machen wir es uns gut eingepackt auf dem Vordeck gemütlich, um dem Sturm zuzuschauen, wie er das Hochwasser über die Mole peitscht. 

27.08. Tag 28 Die Qual der Wahl

Hochwasser zum Auslaufen ist heute erst am späten Nachmittag. Wir nutzen die Zeit für eine Wanderung um den Osten der Insel zu erkunden.

Die Ausfahrt bei Hochwasser. Das die Fahrrinne so eng ist, kann man jetzt nicht mehr sehen. Vor allem ist das Fahrwasser nur einseitig markiert. Einige Male spüren wir, wie der Kiel vom Eisbär durch den Schlick gezogen wird, aber wir kommen raus. 

Am Abend liegen wir in Lauwersoog. Wie soll es morgen weiter gehen? 40 Seemeilen bei Starkwind Stärke 6, in Böen 7 über die Nordsee, außen der Inseln nach Borkum? Oder weiter durch die Kanäle. Das wäre der sichere Weg, zumal für morgen leichte Gewitter angesagt sind. Aber wieder durch Groningen mit seinen vielen Brücken und dann der eintönige Kanalabschnitt bis Delfzijl?

28.08. Tag 29 Überfahrt nach Borkum

Zunächst noch unter Motor geht es Richtung Seegatt zwischen Ameland und Schiermonninkoog. Das Motorboot wird das letzte Schiff sein, welches wir für die nächsten Stunden sehen werden.

Ein kleines Stück geht es gegen Wind und Welle, bis wir Richtung Ost abfallen können. Hierbei gibt es die ein oder andere Salzwasserdusche für uns. 

Draußen auf der Nordsee, 3 Seemeilen nördlich von Schiermonninkoog ist das Wetter, der Wind und die Strömung mit uns. Auch die teilweise 2 m hohe See läuft mit uns. Hinter Miri sieht man die nächste Welle, die erst das Heck anhebt, dann unter dem Boot durchläuft, bis das Heck wieder in das Wellental absinkt. 

Nach fast 7 Stunden mit über 6 Knoten Durchschnittsgeschwindigkeit erreichen  wir Borkum.
Der Große Leuchtturm war schon von weitem zu sehen.

29.08. Tag 30 ausruhen...

Nach unserer gestrigen Ankunft haben wir im Päckchen an der Segelyacht Lily festgemacht. Die Eigner begrüßten uns freundlich und sagten sie kennen unser Schiff. Eisbär und Lily liegen nämlich im gleichen Heimathafen. 
Am Abend luden sie uns noch auf "ein" Bier ein und so kommt es, dass wir heute nach der anstrengenden Überfahrt und dem Abend den Tag faul im Eisbären verbringen.

Für den Abend haben wir einen Tisch im Restaurant, im kleineren Hafen "Port Schrott" reserviert. Den Namen trägt der Hafen wegen seiner abenteuerlichen Steganlagen. Das Restaurant dort ist allerdings sehr gut!

Auf dem Rückweg zum großen Hafen Burkana spannt sich ein Riesiger Regenbogen auf.

30.08. Tag 31 Richtung Heimathafen 

Die erste Hälfte des Tages gehen wir noch joggen und baden ein letztes Mal unsere Füße im Meer am Südstrand. Erst um 4 am Nachmittag ist Niedrigwasser, mit dem wir aus Borkum auslaufen.

Der Flutstrom und 6 Windstärken schieben uns Richtung Dollart. Ein letztes Mal auf dieser Reise beweist uns Eisbär, dass er ein Segelboot ist.

In Summe heißt das Segeln mit guten 8 kn über Grund. Im Gezeitenrevier wird selbst ein 5,5 t Stahlschiff zur Rennziege.

Die meiste Zeit segeln wir auf Halbwindkurs, also Wind von der Seite. Bei diesem oder höheren Kursen legen sich Segelboote weit auf die Seite. Unter Deck fällt die Schräglage besonders auf. Die Kleidung am Haken hängt im Lot.
Unser Ziel heute: Emden. Weiter geht es heute auf der Ems eh nicht, da die Mayerwerft in der Nacht einen Ozeanriesen ausschleust und das Sperrwerk ab 17 Uhr dicht ist.

31.08. Tag 32 Abschied vom Eisbär

Geschlafen haben wir in Emden anscheinend sehr gut. Nur etwa 200 m hinterm Heck des Eisbären wurde in der Nacht der Ozeanriese der Mayerwerft an der Niedersachsenbrücke vertaut. Davon haben wir in der Nacht nichts mitbekommen. 

Ein wenig müssen wir die Ems noch aufwärts, dann wird Eisbär einige Zeit ohne uns klarkommen müssen. 
Tapfer hat der über 40 Jahre alte Stahlsegler durchgehalten und uns nur überschaubare Probleme bereitet.
Wir freuen uns auf weitere Reisen mit dem Eisbär 😊